Interview mit Ursula Arnold (19.07.2010)

CR: Seit wann spielen Sie Schach und wo haben Sie das Spiel gelernt?

 

„Mein Vater brachte mir zwar die Grundbegriffe bei, aber ich hatte keine richtige Gelegenheit, regelmäßig zu spielen. Die große Faszination des Schach entdeckte ich erst als Betriebsspielerin bei Reemtsma, da gab es zwei tolle Spitzenspielerinnen, die mich unterstützten und förderten. Für dieses Team habe ich auch später noch lange und gern gespielt. Dann war ich in Bergedorf und spielte bei Hauni oft mit einem Ingenieur, der sich mit allen Finessen gut auskannte - davon habe ich stark profitiert“.

 

 

CR: Was bedeutet Schachspielen für Sie?

 

„Etwas, worauf ich mich immer freue! Jedenfalls steht für mich nicht der Sieg oder die verbissene Wettkampfsituation im Vordergrund, sondern die Freude an Kombinationen und an einem ästhetischen Genuß."

 

CR: Haben Sie irgendwelche Vorbilder?

 

„Nein, überhaupt keine."

 

CR: Was war Ihr schönster Erfolg?

 

„Ich hatte mal gegen sehr starke Russen gewonnen, das war einfach wunderbar, weil ich das nie erwartet hätte. Da mein Mann ja Kapitän war und wir viel herumreisten,  spielte ich auch oft mit Männern der Schiffsbesatzung, die meistens  gute Spieler waren. Vor allem auf der Nowi Mir waren tolle Spieler! Jedenfalls war ich einfach begeistert über solche unerwarteten Erfolge."

 

CR: Und Ihre schlimmste Niederlage?

 

„Die gab es eigentlich nicht - wenn ich verlor, dann hatte ich eben einfach Pech gehabt - es bringt doch nichts, sich deswegen lange zu grämen!"

 

CR: Wieviel Zeit investieren Sie in das Training?

 

"Systematisch trainiere ich überhaupt nicht - wenn im Verein jemand Zeit hat, spiele ich gern mit ihm, sonst trainiere ich weiter nicht."

 

CR: Was halten Sie vom Einzug der Computer in das moderne Schach?

 

"Nicht sehr viel."

 

CR: Benutzen Sie selbest einen Computer?

 

"Das kann man so nicht sagen. Ich habe mir zwar vor einigen Jahren so einen kleinen Schach-Computer zugelegt, mit dem man unterwegs spielen kann, aber das ist eher eine Art digitales Spielzeug, das ganz praktisch ist für lange Reisen, wenn man keinen Schachpartner hat. Großes Interesse an theoretischen Neuerungen, die man am Computer analysiert, habe ich nicht. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich im Laufe der Jahre leider meine Intuition verloren habe - das richtige Gespür für optimale Abwicklungen und knifflige Stellungen scheint sich verflüchtigt zu haben. Aber ich hatte ja auch zwanzig Jahre pausiert - mag sein, dass es daran liegt."


CR: Welchen Ratschlag würden Sie jungen Spielen mit auf den Weg geben?

 

"Da fällt mir nichts ein."

 

 

CR: Ihr Motto?

 

„Ich habe kein Motto. Wenn ich jetzt den alten General Blücher zitiere und seine Devise: 'Vorwärts immer, rückwärts nimmer!', dann wäre das vielleicht doch etwas zu bemüht und  weit hergeholt." 

 

CR: Herzlichen Dank für das Gespräch!

 

(Das Interview führte Peter Münder)