Interview mit Harry Käding (08.12.2010)

CR: Seit wann spielst Du Schach und wo hast Du das Spiel gelernt?

 

"1965 im Oktober, also vor über 45 Jahren, wurde mir das Schachspielen beigebracht. Ich bin zwar ein gelernter DDR-Bürger, aber als 16 jähriger Jugendlicher hatte ich bereits mit dem "Arbeiter- und Bauernstaat" einige Probleme und wollte die DDR illegal verlassen. Nach einer nicht geglückten Republikflucht hatte ich dann zweieinhalb Jahre Gelegenheit, mit Gegnern jeden Coleurs Schach zu spielen."

 

CR: Was bedeutet Schachspielen für Dich?

 

"Schach ist bei mir ein gleichberechtigtes Hobby, neben Amateurfunk, Pilzen und Drechseln."

 

CR: Hast Du irgendwelche Vorbilder?

 

"Nein kein besonders Vorbild, aber ich bewundere Spieler die "Blind" spielen, oder die die hohe Kunst des mehrfachen Opferns beherrschen."

 

CR: Was war Dein schönster Erfolg? 

 

"In der DDR-Zeit spielten alle "BSG Post" Mannschaften einmal im Jahr um den Pokal

des Ministers für "Post und Fernmeldewesen". Diese Turniere waren immer an

einem verlängerten Wochenende, jeweils in einer anderen Stadt und gingen über

5 Runden. Es waren nicht die schlechtesten Spieler die dort anreisten und 1986

habe ich dort 4,5 Punkte geholt."

 

CR: Und Deine schlimmste Niederlage?

 

"Immer die letzte Partie, wenn die Wunde noch nicht vernarbt ist."

 

CR: Wieviel Zeit investierst Du in das Training?

 

"Bis zur sogenannten Wende habe ich in der damaligen DDR sehr viel Zeit und

Energie in den Schachsport investiert. Die Tätigkeit als Sektionsleiter der

BSG Post Güstrow, sowie als Kreisfachausschuss-Vorsitzender haben mich voll

vereinnahmt. Nach dem Erwerb der Trainerlizenz an der Sportschule des DTSB,

kam noch die Ausbildung der Kinder in den Arbeitsgemeinschaften im Pionierhaus

und an den Schulen. Nach der Wende war alles im Umbruch und ich musste mich

darauf konzentrieren, meine fünfköpfige Familie über Wasser zu halten.

Erst 2006 fand ich dann durch Internetrecherchen zu meinem Schachverein

„Caissa Rahlstedt“."

 

CR: Was hältst Du vom Einzug der Computer in das moderne Schach?  

 

"Ich finde, dass dies eine geniale Ergänzung  für begeisterte Schachspieler ist, die

Eröffnungen trainieren oder ihre verlorenen Partien analysieren wollen."

 

CR: Benutzt Du selbst einen Computer?

 

Ab und zu spiele ich mal gegen „Fritz“, aus reinen Spaß am Spiel und Festzustellen, wie schlecht ich zur Zeit gerade bin. Aber auch wenn der Stress mal

Versucht, gegen mich zu gewinnen, dann fange ich nicht an zu Rauchen oder zu

Saufen, sondern klicke auf „Fritz“ und spiele in aller Ruhe eine Partie !

 

CR: Welchen Ratschlag würdest Du jungen Spielern mit auf den Weg geben?

 

"Manche junge Spieler, die ihre Qualitäten überschätzen, oder ihre Gegner

unterschätzen, trifft es oft sehr schmerzhaft bis tief in der Seele, wenn sie eine

Partie verlieren. Sie wollen dann dieses negative Erlebnis abhaken und vergessen.

Positiv würden sie handeln, wenn sie verlorene Partien nachspielen und analysieren."

 

CR: Dein Motto? 

 

"Natürlich habe auch ich eine Lebensphilosophie, aber das lässt sich nicht

auf ein Motto reduzieren und würde den Rahmen dieses Interviews sprengen.

Aber nach einem nicht langweiligen sehr intensiven Leben, habe ich es geschafft,

eine sehr wohltuende Gelassenheit zu entwickeln. Man kann auch sagen, ich bin

dort angekommen, wo man sein Leben zu Papier bringen könnte.

Ein Motto, nach dem ich lebe und aus dessen Blickwinkel ich auch andere betrachte

ist: „In einem gesunden Körper lebt auch ein gesunder Geist“."

 

CR: Vielen Dank für das Interview!

 

(Das Interview führte Peter Münder)