Interview mit Günter Pasternak (30.08.2010)

CR: Seit wann spielst Du Schach und wo hast Du das Spiel gelernt?


"Ungefähr seit 1946. Mein Vater brachte aus dem Kriegsgefangenlazarett  Munsterlager einehölzerne Schachschatulle mit handgeschnitzten Figuren mit und führte mich in das königliche Spiel ein. Ein Jahr später, im harten Winter von 1947, wäre dieses kunsthandgwerkliche Prachtstück beinahe in der Brennhexe gelandet, wäre meine Mutter nicht gewesen und hätte es vor dem sicheren Feuertod gerettet.

Der Grund war mein Grinsen, wenn Vattern auf Verlust stand, das konnte der ehemalige Hauptmann  weder taktisch noch strategisch ertragen, noch verzeihen."

 

 

CR: Was bedeutet Schachspielen für Dich?


"Zunächst eine vergnügliche  Unterhaltung, dann aber auch in seiner Bedeutung als Gehirntrainer zur Erhaltung der kleinen grauen Zellen."

 

 

CR: Hast Du irgendwelche Vorbilder?


"Nicht mehr. 1960 war es Michail Tal, der im Wettkampf gegen Michail Botwinnik mit der damaligen traumhaften Elo-Zahl von 2793, 8.Weltmeister wurde. Allerdings konnte ich seinen Kampfstil nicht kopieren, dazu fehlten mir die Kreativität und der Mut, das hat sich bis in die Gegenwart fortgesetzt."

 

 

CR: Was war Dein schönster Erfolg?

 

"Das war 1992 in einem Open in Bad Ragaz gegen Claudia Stolz, einer Spielerin der Schweizer Frauen- Nationalmannschaft, gegen die ich ein Remis erzwang. In diesem Turnier wurde mehrfach mit Schwarz das Wolga-Gambit bevorzugt. Am Abend vorher lehnte ein jugoslawischer Großmeister in einer Partie das Gambit ab und gewann. Nächsten Morgen schaute ich mir im Bulletin die Partie an und plante, falls mir einer damit drohte, die Ablehnung auf das Brett zu bringen. Frau Stolz war dann die Dame, der ich nach meiner d4-Eröffnung die Variante servierte. Tags darauf hörte ich, dass die Partie von den Schweizern die halbe Nacht analysiert worden ist. Man verstand einfach nicht, wie ein Patzer aus dem Norden einer qualifizierten Schweizer Schachspielerin so Paroli bieten konnte. Die Partie ist übrigens auf der Big Database 2009, aber auch auf früheren Datenbanken zu finden."

 

 

CR: Und Deine schlimmste Niederlage?


"Das war im Winter 1966 bei meiner ersten Teilnahme an der Hamburger Einzelmeisterschaft. Damals bin ich als Greenhorn auf dem Glatteis einer klassischen Eröffnungsfalle im Albins Gegengambit mehr als ausgerutscht. Ungefähr 20 Leute umstanden das Brett und hielten sich die Bäuche, um mich Leidenden untergehen zu sehen. Mir war das damals äußerst peinlich, heute würde ich wohl mit feixen."

 


CR: Wie viel Zeit investierst Du in das Training?


"Eigentlich trainiere ich gar nicht mehr, nur gelegentlich bereite ich mich bei Turnierpartien auf den Gegner vor und dafür genügen ein bis zwei Stunden."

 

 

CR: Was hältst Du vom Einzug der Computer in das moderne Schach?


"Eine Menge. Es gibt dem Amateur Gelegenheit, sich schnell mit den Meisterpartien auseinanderzusetzen, diese per Rechner zu analysieren und damit die Möglichkeit, auch sein eigenes Spiel zu verbessern."

 


CR: Benutzen Du selbst einen Computer?


"Ja, vor allem,  um im Internet Schnellpartien zu spielen, was sehr unterhaltsam ist, da man sich damit über den gesamten Globus mit Schächern aus aller Welt auseinandersetzen und auch kommunizieren kann."

 


CR: Welchen Ratschlag würdest Du jungen Spielern mit auf den Weg geben?


"Zur Verbesserung ihrer Spielstärke sollten sie sich ihre Verlustpartien anschauen und  analysieren."

 

 

CR: Dein Motto?

 

"Mensch ärgere dich nicht!"

 

 

CR: Herzlichen Dank für das Gespräch!

 

(Das Interview führte Peter Münder)