Interview mit Werner Voss (11.07.2010)

CR: Seit wann spielst Du Schach und wo hast Du das Spiel gelernt?

 

"Mein erster Kontakt mit dem Schach war 1943 in den Kriegsjahren. Ich war damals zwölf Jahre alt. Mein Vater hatte Fronturlaub und spielte häufig eine Partie Schach mit meiner Mutter. Ich habe den Beiden immer über die Schulter gesehen und fand das Spiel faszinierend. Mein Vater wollte mir die Regeln nicht beibringen, weil er meinte, dass das Spiel zu kompliziert für mich sei. Ich habe mir dann alles selbst beigebracht und mit einem gleichaltrigen Freund gespielt, der genausowenig Ahnung hatte wie ich. Ich erinnere mich, dass wir immer versucht haben, als Allerestes unsere Türme gegen die gegnerischen Springer zu tauschen, weil deren Züge so schwer zu berechnen waren (lacht)."

 

 

CR: Was bedeutet Schachspielen für Dich?

 

"Zunächst einmal liebe ich natürlich die Wettkampfatmosphäre. Und die Vereinszugehörigkeit und die Kameradschaft sind ebenso toll. Ich würde sagen, das hat bei mir denselben Stellenwert wie das Schachspielen selbst."

 

 

CR: Hast Du irgendwelche Vorbilder?

 

"Mein erstes Lehrbuch war das 'Lehrbuch des Schachspiels' von Siegbert Tarrasch. Also Tarrasch kann man schon als Vorbild bezeichnen."

 

 

CR: Dein Schönster Erfolg? 

 

"Ganz klar, als ich im damaligen Rahlstedter Schachverein von 1926 - Caissa gab's ja noch nicht -  in den Jahren 1952, 1953 und 1954 dreimal hintereinander Klubmeister wurde. Der Verein hatte ungefähr 40 Mitglieder und ich war erst vier Jahre dabei."

 

 

CR: Deine schlimmste Niederlage?

 

"Ebenso klar am letzten Montag gegen Günter Burgau durch einen Dameneinsteller."

 

 

CR: Wieviel Zeit investierst Du in das Training?

 

"Recht viel, würde ich sagen. Ich trainiere hauptsächlich Eröffnungen und Endspiele. Was das Mittelspiel betrifft, da mache ich nicht ganz soviel."

 

 

CR: Was hältst Du vom Einzug der Computer in das moderne Schach?

 

"Halte ich für eine großartige Sache!"

 

 

CR: Benutzt Du selber einen Computer?

 

"Oh ja, sehr häufig! Die Möglichkeit der Fehlerüberprüfung hat sich doch stark verbessert, besonders in Endspielen durch die Tablebases. Ich habe alle Partien, die ich seit 60 Jahren gespielt habe, von Hand in meine Datenbank eingegeben und mit Computerhilfe analysiert. Nebenbei: Ich habe damals sogar zweimal gegen meinen Mathematiklehrer gewonnen, der in demselben Klub war."

 

 

CR: Welchen Ratschlag würdest Du jungen Spielern mit auf den Weg geben?

 

"Üben! Üben! Üben!"

 

 

CR: Dein Motto?

 

"Immer optimistisch in die Partie gehen, aber nicht zu übermütig werden!"

 

CR: Lieber Werner, Danke für das Gespräch! 

 

(Das Interview führte Uwe Fischer)