Der Freibauer

 

Nur vorwärts Zug um Zug und ganz allein!
Sind auch die neben ihm schon längst gefallen –
er überlebt als einziger von allen:
Der Letzte wird nicht aufzuhalten sein!

 

Er läßt sich auf die große Wandlung ein,
Was kümmert ihn das Lallen der Vasallen,
die sich wie Quallen um den König ballen?
Ein Riese steht er da: bald ist er Stein!

 

Frei wie er seinen schweren Weg gefunden,
berührt – geführt, an seine Spur gebunden,
gefesselt, vorgerückt, doch unverrückt,

 

ist ihm mit Opfertricks nichts abzuhandeln:
Frei weiß er sich am Ende umzuwandeln,
bis daß der Schah-in-Schah im Matt erstickt.

 

(Klaus M. Rarisch)

 

 

 

Überschach

 

Und gäbs an Feldern mehr als acht mal acht?
Und lösten sie sich auch mal aus den Nähten?
Und hätte da das Werk von Schneidgeräten
die Zahl verhundert- oder -tausendfacht?

Und die Figuren … ob sie ihre Macht
hinaus in ausgestülpte Räume blähten?
Entwickelten sie neue Qualitäten
für Zug und Schlagen in entgrenzter Schlacht?

Da stehn in Frage Sendung, Rang und Name.
Da ist ein Feld für Ein- bis Endloszüger.
Beständig bleiben Trieb und Wille wach.

Ein König und sein Volk bis hin zur Dame
befinden sich zum Schluß dann endlich klüger
und ganz allein beim Matt im Überschach.

Altona, 4. März 2007
für Albrecht Barfod

 

(Robert Wohlleben)

Für den wahrhaft Audiophilen gibt es das Werk hier zum Anhören. Es liest der Autor höchstselbst!

 

 

Zweifarbenwelt

Meine Welt nur Felder,
schwarz und weiß,
ich muss gehn, ich soll gehn,
ich, einer von Vielen,
der fallen wird für einen Sieg
den wir wohl nie erleben werden.

Kein Rot, keine Liebe,
nirgends Grün, nirgends Hoffnung
fehlend Gelb, fehlend jegliches Leben,
jegliche Farbe.

Meine Welt nur Schlachtfeld,
schwarz gegen weiß,
einer muss gehn, einer soll gehn,
einer wird fallen für einen Sieg,
für eine Welt,
die niemand braucht.

Gefangen in einer tristen Welt,
eingesperrt in stumpfe Quadrate
gezüchtigt in zweitönige Bewegungen,
erstarren wir zu Holz.

 

(Florian Graff)